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Gedenktafel – Rudolfinum

Für die Öffentlichkeit zugänglich (nach Öffnungszeiten)
Weiträumiger Schulhauskomplex, der sich in mehreren Trakten zwischen Schillerring, Schanzstraße und Opitzstraße erstreckt und mehrere Institute aufnahm. Eingänge von der Ringstraße und von der Opitzstraße. 1874 nach einem Preisausschreiben der Planung des Wiener Archi­tekten Gustav Corompay zugeschlagen. Danach von V. Nekvasil aus Prag und J. Siegl aus Eger bis 1875 fertiggestellt. Nach 1900 Erweiterung durch J. Pascher.

Das Hauptgebäude zum Schillerring dreiflügelig mit zurückver­setztem Mitteltrakt, der die Aula und das große Treppenhaus auf­nimmt. Die Klassenräume bereits nach den hygienischen Anfor­derungen eines modernen Schulbaus der Zeit entlang weiter Kor­ridore zur Außenfront hin gerichtet, wo sie durch große Fenster optimal zu belichten und zu belüften waren. Die Fassade zitiert im neuklassizistischen Stil die römische Antike, deren imperialer An­spruch hier auf das Kaiserreich bezogen ist.

(Kunst 1992, 586)
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Historische Texte

Strum 1952

Mit dem Erlass des Reichsvolksschulgesetzes vom 14. Mai 1869 für die österreichisch-ungarische Monarchie wurde das allgemeine Schulwesen auf eine neue Grundlage gestellt. Da infolge des organisatorischen Ausbaues der Schulverhältnisse in Eger die Erbauung eines großen Zentralschulgebäudes kaum mehr zu umgehen war, wurde anfangs der siebziger Jahre nach Feststellung des Schulraumbedarfes für die Stadt und die drei Vorständte ein Preisausschreiben für die Projektierung des geplanten Schulhauses veröffentlicht. Unter den eingereichten Entwürfen wurde die Arbeit des Wiener Architekten Gustav Corompay als die beste ausgewählt und zur Ausführung bestimmt. Im Offertwege erhielten der Prager Baumeister V. Nekvasil und der Egerer Zivilingenieur Johann Siegl die Bauherstellung übertragen. Am 13. April 1874 konnte mit dem Bau des Schlugebäudes an der Opitzstraße, das man nach dem Kronprinzen Erzherzog Rudolph „Rudolfinum“ benannte, begonnen werden.

Die Grundsteinlegung erfolgte im Rahmen einer großen Feierlichkeit am 18. August 1874. Zur Erinnerung an diese Grundsteinlegung wurden an einer durch schwarze Ziegel in Kreuzform gekennzeichneten Stelle im Erdgeschoß eine Pergamenturkunde in einem eigenen Behälter eingemauert und hier außerdem die Schulbaupläne, ein Stadtplan, je eine der damals gangbaren Gold- und Silbermünzen, sowie zahlreiche Photographien hinterlegt.

Der Wortlaut der Grundsteinlegungsurkunde ist folgender:

Wir Bürgermeister und Rath der königl. Stadt Eger beurkunden und bekennen hiemit, daß heute am 18. August 1874 unter der glorreichen Regierung Sr.k.k. apostolischen Majestät Franz Josepf I., Kaiser von Osterreich etc. etc. etc., die feierliche Grundsteinlegung dieses Centralschulhauses – mit A. H. Genehmigung nach dem Namen Sr. kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Kronprinzen Erzherzogs Rudolph „Rudolphinum“ genannt – stattgefunden hat. In treuer Erfüllung der uns von unseren Mitbürgern übertragenen Pflichten, für das Wohl und Ansehen unserer Stadt nach besten Wissen und Gewissen zu wachen, beschlossen wir nach reiflicher Überlegung am 15. Oktober 1869, ein neues Schulgebäude zu errichten, in welchem die Jugend zu nützlichen Staatsbürgern herangebildet werden soll. Mit der Ausführung dieses monumentalen Werkes betrauten wir den Architekten Herrn Gustav Corompay aus Wien, dessen Pläne nach einer gewissenhaften Prüfung von Sachverständigen als die besten prämirt wurden. Des Bau wurde in Folge Beschlusses des Gemeinde-Ausschusses vom 29. Dezember 1873 von den Bauunternehmern Herrn V. Nekvasil und Johann Siegl am 13. April 1874 begonnen. Möge der Allmächtige dem Unternehmen seinen reichsten Schutz gewähren, das Gebäude zur Zierde der Stadt erstehen lassen und lange Jahre zum Wohle und Heile unserer Stadt erhalten! Gegeben in der k. Stadt Eger am 18. August 1874, als am Tage des glorreichen Geburtsfestes Sr. k. k. apostolischen Majestät, unseres allerdurchlauchtigsten Herrn und Kaisers.

Adolph Tachezi, Bürgmeister
Albert Heitzer, Stadtrath Joseph Nitzl, Stadtrath
Adam Karg, Stadtrath Georg Gradl, Stadtrath
J. A. Widemann, Stadtrath Niklas Ernst, Stadtrath
W. F. Gruß, rechtskundiger Stadt-Sekretär

Der Bau des Schulgebäudes „Rudolfinum“ wurde am 1. November 1875 vollendet und nach einer feierlichen Einweihung durch den Stadtdechant P. Johann Wenig seiner Verwendung zugeführt. Das Gebäude war zunächst bestimmt für die achtklassige Knaben-Bürgerschule, für die achtklassige Mädchenbürgerschule, für die fünfklassige Knabenvolksschule, für die fünfklassige Mädchenvolksschule, für die Lehrerbildungsanstalt und für eine Übungsschule. Später wurde es für die Staatsoberrealschule und die Lehrerbildungsanstalt verwendet.

(Sturm 1952, 390)
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Kunst 1992

Der erste große Schulbau Egers nach dem Gymnasium und neben dem Erziehungsinstitut der Schwestern vom HI. Kreuz entstand 1874-1875 nach der Verkündung des österreichischen Reichsvolksschulgesetzes, welches die Zentralisierung aller Vorstadtschulen sowie aller Schul­zweige vorsah, mit einem Zentralschulhaus, dem Rudol­finum, am Schillerring. Nach einem öffentlichen Wett­bewerb wurde der Bau nach den Plänen des Wiener Archi­tekten Gustav Corompay, von V. Nekvasil aus Prag und dem Zivilingenieur Johann Siegel aus Eger erbaut.

Die mehrflügelige Anlage erstreckt sich auf dem großen Gelände zwischen Schillerpark, Schanz- und Opitzstraße. Sie charakterisiert sich durch eine strenge Achsen­gliederung, eine Verklammerung durch Eckrisalite und einen zurückgesetzten, schmalen Mitteltrakt, der vor sich ein offenes Vestibül mit zweiachsigem Treppenaufgang frei macht. Dahinter betritt man durch eine weite Aula das große Treppenhaus, das in einer Freitreppe, die sich nach einem Absatz in zwei Läufe teilt, die oberen Stock­werke erschließt. Die strengen Einzelformen der Fassa­den zum Schillerring und zur Opitzstraße sind – mit rusti­ziertem Erdgeschoß und flachen Dreiecksgiebeln über den Mittelachsen sowie zur Hälfte kannelierten Kolossal­ Pilastern-bezeichnenderweise der römischen Antike mit ihrem militärisch zuchtvollen Stil von imperialem An­spruch entlehnt.

Das wird besonders deutlich bei der Hauptfassade, deren Giebel ein wahrhaft kaiserlicher Adler über dem Egerer Stadtwappen ziert. Die Zwickel zwischen den gro­ßen, eineinhalb Stockwerke überfassenden Rundbogen­fenstern sind mit Siegeskränzen, die Scheitelsteine mit be­helmten Büsten geschmückt. Drei rundbogige Eingangs­portale, deren nach oben horizontal abgeschlossene, glatt bearbeitete Keilsteine als markantes Motiv in den Mauer­verbund einbezogen sind, zitieren das Triumphbogen­thema, so dass hier eine kaiserliche Siegesarchitektur vom hohen Anspruch dieses Institutes kündet.

Dieses Thema bestimmt auch den Eingang an der Opitzstraße: Da das Gebäude neben den Volks- und Bür­gerschulen im Laufe der Jahre auch noch die Musik­schule, die Lehrerbildungsanstalt, die Übungsschule, die Oberrealschule und das Staatsrealgymnasium für Mäd­chen aufzunehmen hatte, war es schon nach kurzer Zeit zu klein geworden und mußte durch Josef Pascher um einen zusätzlichen Flügel erweitert werden.

(Kunst 1992,209)
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