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Gedenktafel – Volkstag

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Felix Dahn ersann zu Zielen des Egerer Volkstages die folgenden Verse: „Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk/Das höchste Gut des Volkes ist sein Recht/Des Volkes Seele lebt in seiner Sprache/Dem Volk, dem Recht und seiner Sprache treu/Fand uns der Tag, wird jeder Tag uns finden!“ Die zweiteilige Tafel mit den Versen Felix Dahns wurde an der Mauer des Stadthauses angebracht, musste aber in der Tschechoslowakischen Republik wegen ihres angeblich staatsfeindlichen Textes überdeckt werden und wurde nach 1945 zerstört.

(Katalog 1994,88)
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            gedenktafel – volkstag

Historische Texte

Sturm 1952

Anläßlich des Egerer Volkstages von 1897 ersuchten die Egerer den Historiker und Dichter Felix Dahn, den Gehalt dieser bedeutsamen Kundgebung in einen Spruch zu fassen; er sandte dareufhin folgende Verse, die seither auf einer großen Steintafel im Hof des Stadthauses zu lesen waren:

Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk,

Das höchste Gut des Volkes ist sein Recht,

Des Volkes Seele lebt in seiner Sprache.

Dem Volk, dem Recht und seiner Sprache treu

Fand uns der Tag, wird jeder Tag uns finden!

Die natürlichen Grundrechte jedes Volkes sind damit in schlichten einprägsamen Worten aufgezeigt, jene Grundrechte, die damals infolge der politischen Vorgänge zum ersten Male in der langen Geschichte der ehemaligen Reichsstadt auch für die Bewohner dieses Grenzlandes gefährdet waren. Noch beschränkte sich zu dieser Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts der Abwehrkampf um die Erhaltung der Heimat auf einzelne Kundgebungen. Aber schon am fünfundzwanzigsten Jahrestag des Egerer Volkstages von 1897 hatten sich die allgemeinen Verhältnisse grundlegend gewandelt. Der Ausgang des Weltkrieges 1914/18, der aus dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie als einen der Nachfolgestaaten die Tschechoslowakei erstehen ließ schuf neue, ungleich ungünstigere Voraussetzungen für die nun zu einem aktuellen Problem gewordene Sorge um die Erhaltung der Heimat. 1922 wußte man bereits, daß die der Friedenskonferenz vorgelegten Eingaben, die eine staatsrechtliche Regelung der nicht eingelösten Reichsverpfändung im Sinne eines Anschlusses an Bayern anstrebten, unberücksichtigt geblieben sind.

Eger war gegen den Willen der Bevölkerung in die Tschechoslowakische Republik einbezogen und durch Militär besetzt worden. Jedoch nicht ganz hatte man die Hoffnung begraben, durch Anrufung des Völkerbundes doch noch eine Lösung im Sinne enes Voksentscheides über den Anschluß an Bayern zu erreichen. Noch bevor die sechshundertjährige Wiederkehr des Tages der Verpfändung von Stadt und Land Eger an die Krone Böhmen den äußeren Anlaß zu dieser Eingabe an den Völkerbund bot, benutzte man den fünfundzwanzigjährigen Gedenktag des Egerer Volkstages von 1897, die Sorge um den Bestand der Heimat und die Forderung nach ihrem ungeschmälerten Besitz durch die angestammte Bevölkerung wiederum in aller Öffentlichkeit zu bekunden.

Am 9. Juli 1922 versammelten sich zahlreiche Abgeordnete aller Parteien, Mitglieder der Egerer Stadtvertretung, die Bürgermeister und Gemeindevorsteher aus dem Egerer Gebiet und Abordnungen vieler Vereine aus Eger und der Umgebung zu einer großen Kundgebung, die ihren Höhepunkt in einem Festakt im Hofe des Stadthauses fand. Hier, vor der Spruchtafel, die an den Egerer Volkstag von 1897 erinnerte, wurde von einem Abgeordneten ein Gelöbnis verlesen, das von den im Stadthaushof versammelten Abordnungen und dann von den in Stadthaushof versammelten Abordnungen und dann von der Kundgebungsmenge auf dem Marktplatz mit erhobener Schwurhand in tausendfältigem Chor nachgesprochen wurde und lautete: Wir geloben heute hier in feierlicher Stunde als volksbewußte Deutsche, jederzeit einzutreten und zu kämpfen für das Recht unserer freien Selbstbestimmung, für das Gesamtvolk, für die Erhaltung unserer angestammten Sprache, für unseren deutschen Arbeitsplatz und völkischen Besitz. Wir geloben, alles, was uns sonst trennen mag, zurückzustellen in diesem Kampfe um unsere heiligsten Güter. Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, dem alten Recht und unserer Sprache treu. Wir wollen sein und wollen bleiben deutsch und frei! Das Absingen des Schenkendorfschen Liedes „Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu“ bekräftigte den Schwur und beschloß diesen Egerer Volkstag von 1922.

(Sturm 1952,401)
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